Verwandte Formen
Reiner Seliger
Heidi Gerullis
Violetta Elisa Seliger
Kuratorin: Beate Düsterberg
Dauer der Ausstellung:
28.September bis Ende des Jahres 2025
Geöffnet jeden Mittwoch 15:00 - 18:00 Uhr
und nach Vereinbarung
Die Eröffnung fand statt am:
Sonntag den 28. September 2025
12:00 - 17:00 Uhr
Die Drei Künstlerischen Positionen sind zum einen sehr eigenständig, mit klaren eigenen Handschriften und Wegen an ihr Material heran zu treten. Der Arbeitsweise und Anmutung lässt sich eine gewisse Gemeinsamkeit jedoch nicht absprechen. Alle drei verrichten eine ganze Reihe von „Fleißarbeiten“ um zu ihrem fertigen Werk zu gelangen. Sei es die zahllose Aneinanderreihung von Kreiden, Glasbruch oder Acrylblöcken bei Reiner Seliger, die minuziösen Reizungen in pastöser Farbe gemischt mit Kohlestaub, Schichtungen von Farbe auf die dann feinsäuberlich Blattsilber über Blattsilber aufgebracht wird bei Heidi Gerullis oder die akaribischen Papierschnitte und feine Faltungen sowie Sägungen in Silber bei Violetta Elisa Seliger. Alles sind Arbeiten, die Fingerfertigkeit, Sorgfalt, Geduld und Geschick verlangen, die zumindest Violetta Seliger in die Wiege gelegt scheint und eben diese verwandten Formen erkennen lässt. Diese Gemeinsamkeit der Reihungen, Schichtungen und ein Hang zur Dreidimensionalität lässt verleiten zu einem Titel, der die Beziehung der drei Künstler zueinander erkennen lässt, eben nicht nur rein familiär, sondern auch in den Kunstwerken selbst. Und doch arbeitet jede/r auf seine eigenen Weise und in seiner eigenen Ausdrucksform.
Heidi Gerullis konzentriert sich auf Malerei, teilweise Installationen. Genauer noch stellt sie zum einen Ritzungen her mit diversen Kratztechniken und Schabungen und arbeitet zum anderen mit Stencils, Schablonen oder Blattsilber-Elementen. Starke Kontraste werden dabei zum Hauptakteur. Die schwarze Farbe vermischt mit Kohle wird so dicht, so matt und durchdringend, dass das Silber oder eben das wieder hervorblickende weiß noch strahlender hervortritt. Durch die Ritzungen bzw das Layering entsteht ein dreidimensionaler Effekt, abgeschabte Linien bilden Vertiefungen, pastöse Farbe Krater und Hügel, eine höchst strukturierte kontrastreiche Oberfläche.
Violetta Elisa Seligers Hauptakteure sind Papier und/oder Silber. Zweiteres auf Skulpturen auszuweiten scheint zunächst naheliegender, ist sie doch gelernte Goldschmiedin und stellt schon lange skulptural anmutende Schmuckstücke her. Das Papier ist merklich jedoch genau so eine passende künstlerische Erweiterung ihrer Ästhetik. Was sie zunächst in Silber sägte und faltete, Volumenkörper erzeugte, überträgt sie in faszinierender Weise auf das flache Medium Papier. Durch reine Schichtungen von Blättern ausgeschnittener geometrischer Papierformen erzeugt sie eine erstaunliche Tiefe und optische Effekte. Man wird regelrecht hereingezogen in die großen Cut-Outs, meint sie nur verschwommen zu sehen oder sieht Veränderungen der Strukturen sobald man die Perspektive darauf verändert. So aufwendig und strukturiert ihre Arbeit ist, so leicht und dynamisch wirken die feinen Flächen. Obwohl sie nur mit klaren, geometrischen Formen wie Rechtecken, Quadraten und Kreisen arbeitet, entsteht eine unerwartete Dynamik, spannende Schwünge und hohe Plastizität.
Reiner Seliger arbeitet ausschließlich dreidimensional und auch bei ihm spielen geometrische Formen eine große Rolle. Restmaterial der Schulkreideproduktion, Dachziegelbruch oder ausgesonderte Glasblöcke, überall sieht er Potential für Reliefs, Plastiken oder Wandarbeiten. Dieses Ausschussmaterial sieht er nicht als verloren, er spielt damit, nutzt die Kreide für Schichtungen sowie als Farbpigmente z.B. für seine Glasskulpturen. Die Farbigkeit, die Produktionsbedingt nie ganz genau gleich wird, sieht er als großen Gewinn statt als Fehler, da seine Werke mehr changieren, mehr Struktur erhalten und an Lebendigkeit gewinnen. Die Natur ist nie perfekt, wie seine Werke, sie bietet aber immer wieder Inspiration für seine Skulpturen, sie liefert Materialien und Formen, die er baut und in die er baut. Man hat bei der Betrachtung regelrecht das Gefühl die Materialität zu spüren, die Haptik schon in den Fingerspitzen zu merken, seinen es die glänzenden glatten Glasfragmente, die matten gebrannten Ziegel oder die staubig feine Kreide. Massives Material verbaut er in fragil anmutende skulpturale Gebilde oder komprimierte kompakte Reliefs, die alle in ihrer Form sehr geschlossen wirken, doch den Raum erobern und einnehmen.
Impressionen der Ausstellung: